Die Kirschen aus Nachbars Garten

Waren es in den 50er-Jahren noch die Kirschen in Nachbars Garten, welche zum Naschen – und damit auch zum Diebstahl – reizten, so sind es heute Bilder, Filme und Töne. Mit den Sozialmedien und Internetseiten ist es einfach, sie zu kopieren und tausendfach in der ganzen Welt zu verbreiten. Wussten Sie, dass das ohne Bewilligung der Urheber verboten ist? Bekannt dürfte sein, das Unwissen nicht vor Strafe schützt! Deshalb lohnt es sich, die Sachlage genau zu klären, bevor man einen Musiktitel, ein Video oder auch nur ein Foto ins Netz stellt.

Hörbeispiele

In unserer Branche ist es üblich, in der vereins- oder kapelleneigenen Website Hörbeispiele von Titeln aus der eigenen CD zu zeigen. Das ist nicht statthaft, sondern Gebührenpflichtig! Auch wenn die Titel nur einige Sekunden laufen, haben Komponisten das Recht, ihre Ansprüche anzumelden.

Für die Wahrung der Rechte gibt es auf der ganzen Welt Urheberrechtsgesellschaften, bei uns ist das die SUISA. Zugegeben: Die Rechte an einem Musiktitel sind vielfältig und kompliziert. Da gibt es beispielsweise das Kompositionsrecht, Bearbeitungsrecht, mechanisches Recht (Aufnahme), Senderecht, Aufführungsrecht, Synchronisationsrecht oder Überspielrecht. Diese Rechte können im Prinzip nicht verweigert werden, hingegen darf dafür ein bescheidener Betrag erhoben werden. Manchmal erteilen Rechtsinhaber solche Rechte auch kostenlos, sofern man das vorher nachgefragt und vereinbart hat.

Gentleman-Delikt

Oftmals werden Delikte im Urheberrecht als Gentleman-Delikt angesehen, weil die Beträge der einzelnen Vorgänge ziemlich klein sind. Aber Kleinvieh macht auch Mist! Darunter fällt das seit Jahrzehnten bekannte Kopieren von Musiknoten ebenso, wie das Kopieren von Musiktiteln ab einem Tonträger. Das ist zwar im persönlichen Rahmen erlaubt. Sobald man aber mit diesen Kopien mehrere Personen beschenkt, ist dieser persönliche Rahmen überschritten. So zum Beispiel in einer Musikgruppe oder einem Chor. Hätten Sie als Besitzer eines Kirschbaumes Freude daran, wenn ein Nachbar ihre Kirschen pflückt und verschenkt?

Einfache Lösungen

Man muss nicht Jurist sein, um mit diesen Rechten umgehen zu können. Im Gegenteil ist es einfach, denn dafür gibt es eben die SUISA. Als dienstleistende Gesellschaft gibt sie zu allen Fragen Auskunft. Vieles findet man auf der Website, so auch zum Thema «Musik und Videos im Internet»:

https://www.suisa.ch/de/kunden/online/video/videos-filme-mit-musik-im-internet-audiovisuelle-inhalte.html

Oder zum Verbreiten von Tönen und Bildern (Videos) in Sozialmedien:
https://www.suisa.ch/de/kunden/online/video/videos-filme-mit-musik-im-internet-audiovisuelle-inhalte/weitere-rechte.html

Die Musikschaffenden würden sich freuen, wenn sie auf die Loyalität aller Nutzer zählen dürften.